Zwischen Tradition und Moderne

Die zweitälteste Kunsteisbahn der Welt im Wandel der Zeit

Foto: TWZ

Oberhof – Die Rennschlitten- und Bobbahn Oberhof, die sich seit 2020 mit dem Namen LOTTO Thüringen EISARENA schmückt, wurde 1971 als zweite Kunstbahn der Welt eingeweiht. Sie gilt durch ihr anspruchsvolles und selektives Kurvenprofil als eine der schwersten Bahnen der Welt. „Jedoch hinterlassen ein knappes halbes Jahrhundert und 25.000 Abfahrten pro Saison auch seine Spuren und macht grundlegende Umbauten und Modernisierungsarbeiten unumgänglich“, sagt Sportstättenchef Dr. Hartmut Schubert. Das Ganze geschieht in Vorbereitung auf die nunmehr vierte Rennrodel-Weltmeisterschaft 2023 in Oberhof.

Vor den Bauherren des Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum und dem Suhler Generalplaner HSP stand eine Mammutaufgabe. In kürzester Zeit wurde geplant und allein für dieses Bauvorhaben 44 Baulose europaweit ausgeschrieben. Im Jahr 2020 wurden zunächst die Fundamente der Pendelstützen des Bahnkörpers saniert. Neben dem Abbruch zahlreicher Gebäude und Anlagen, konnten im Jahr 2020 auch alle wesentlichen Arbeiten im Tiefbau abgeschlossen werden. Dazu zählen auch alle perspektivisch benötigten Leerrohrsysteme. Parallel zur Bahn entstand neben der alten Bahnstraße, welche 2021 saniert wird, eine neue 1.500 Meter lange Fahrstraße, die mit einem Gefälle von bis zu 20% in den Steilhang hinauf zur Tambacher Straße gebaut wurde. Mit beiden Straßen können künftig die Zuschauerströme von dem Fahrzeugverkehr bei Training und Wettkämpfen getrennt werden.

An der Bahn wurde der Bau des Kinderstarts sowie der Umbau der Kurven 9 und 10 sowie der Kurve 6 abgeschlossen. Mit der Kürzung und Steilerstellung der Betonschalen der K6 und K9 soll eine bessere Ideallinie erreicht werden. Gleichzeitig verringert sich die zu vereisende Fläche. Schwerpunkt der Arbeiten an der Bahn ist zweifellos die neue Überdachung. Auf knapp 800 m Länge ergänzen zukünftig in großen Teilen freitragende Schalengewölbe, zusammengesetzt aus vorgefertigten Holzsegmenten und beplankt mit kupferfarbenen Schuppen, die vorhandene Bahnüberdachung. Mit dem weltweit einzigartigem Tragsystem entfallen künftig eine Vielzahl von Stützen. Das verringert die Unfallgefahr der Sportler, schafft mehr freie Sicht für TV-Übertragungen und macht den Sport für die Zuschauer wesentlich attraktiver. Die Planungen der Holzkonstruktion stellen Architekten und Statiker auch im nächsten Jahr noch vor große Herausforderungen, muss doch jedes der ca. 250 Holzsegmente bis ins Detail 3dimensional einzeln gezeichnet und berechnet werden.

Auch im Jahr 2021 wird der Bauablauf einem straffen Terminplan folgen. Nachdem im Jahr 2020 die Gründungsarbeiten, Fundamente und Betonarbeiten von Herren- und Damenstart, Trainingszentrum, von Zielhaus und Wiegehaus fast fertig gestellt wurden, nehmen die zugehörigen Hochbauten 2021 ihre zukünftige Gestalt an. rk